Was ist Vitamin B6?

Das Vitamin B6 gehört zur Gruppe der wasserlöslichen B-Vitamine. Vitamin B6 ist die übergeordnete Bezeichnung für drei ähnliche chemische Verbindungen, die erst im Körper zur aktiven Form des Vitamin B6 – Pyridoxalphosphat (P5P) – transformiert werden. Diese drei nicht unmittelbar aktiven Provitamine sind Pyridoxin, Pyridoxal und Pyridoxamin.

Welche Aufgaben kommen dem Vitamin B6 zu?

Als Cofaktor von mehr als einhundert Enzymen, die zusammen für einen schnelleren Ablauf von chemischen Reaktionen sorgen, kommen dem Vitamin B6 viele Aufgaben zu. So spielt es im Körper insbesondere bei unterschiedlichen Stoffwechselvorgängen wie dem Aminosäurestoffwechsel, dem Fettstoffwechsel oder den Stoffwechselprozessen des zentralen Nervensystems eine bedeutende Rolle. Zudem ist das Vitamin B6 sowohl an der Synthese verschiedener Botenstoffe wie u. a. Serotonin, Dopamin, Norepinephrin, Epinephrin oder Histamin als auch der Bildung des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin beteiligt. Darüber hinaus werden bestimmte Aktivitäten der Geschlechtshormone durch das Vitamin B6 beeinflusst, das ferner unterstützend auf das Immunsystem sowie das Herz-Kreislaufsystem einwirkt.

Aus diesen Gründen wird Vitamin B6 auch zu therapeutischen Zwecken verwendet und unter anderem zur Linderung von Reiseübelkeit und Menstruationsbeschwerden, bei Konzentrations-, Lern- und Schlafstörungen, Depressionen, Unruhezuständen, dem Kapaltunnelsyndrom und seltenen Formen von Pyridoxin-abhängigen Epilepsien eingesetzt.

Welche Mangelerscheinungen können auftreten? Wie lässt sich eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B6 gewährleisten?

Zu den Symptomen einer Vitamin B6-Mangelerscheinung gehören unter anderem Hauterkrankungen, wunde Schleimhäute, Nervenentzündungen, Anämien und krampfartige Anfälle. Da Vitamin B6 in ausreichender Konzentration in vielen Lebensmitteln tierischer wie pflanzlicher Natur (z. B. Fisch, Geflügel, Leber, Milchprodukte, Hefe, Getreide, Gemüse, diverse Früchte) enthalten ist, treten solche Mangelerscheinungen jedoch eher selten auf.
Bei erhöhtem Bedarf wie im Falle einer Schwangerschaft oder zu therapeutischen Zwecken kann Vitamin B6 auch über diverse Nahrungsergänzungspräparate zugeführt werden.

Chemische Zusammensetzung von Vitamin B6

Wie eingangs beschrieben ist Vitamin B6 die übergeordnete Bezeichnung für die drei Pro-Vitamine bzw. Vorläufersubstanzen Pyridoxin, Pyridoxal und Pyridoxamin, die aufgrund ihrer nahe zu identischen chemischen Verbindung vom Stoffwechsel ineinander übergeführt werden und erst dann die aktive Form des Vitamin B bilden.

Eines dieser drei Vorläufersubstanzen ist das Pyridoxin, auch Pyridoxol genannt, ein organischer Alkohol des Vitamin B6, der in tierischen wie pflanzlichen Produkten enthalten ist. Diese Substanz trägt zum Ausgleich des Natrium-Kalium-Haushalts im Körper sowie zur Bildung des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin bei und wirkt auf das Immunsystem und Herz-Kreislaufsystem sowie auf spezifische Veränderungen des weiblichen Hormonhaushalts positiv ein. Einfluss auf die Synthese der Botenstoffe übt das Pro-Vitamin Pyridoxin allerdings erst nach der Transformation zu Pyridoxalphosphat aus. Anämien, krampfartige Anfälle, Nervenschädigungen sowie Hautprobleme werden im Zusammenhang mit einem Mangel an Pyridoxin diskutiert.

Pyridoxal, das vornehmlich in Grünpflanzen enthalten ist, stellt das Aldehyd des Vitamin B6 und unterscheidet sich in seiner chemischen Zusammensetzung durch die Aldehydgruppe am C4-Atom vom Pyridoxin. Auch diese Vorläufersubstanz muss zunächst in die aktive Form Pyridoxal-5-Phosphat transformiert werden. Ein Mangel an Pyridoxal steht unter anderem im Zusammenhang mit krampfartigen Anfällen wie beispielsweise Epilepsien.

Das dritte Pro-Vitamin ist das Pyridoxamin, das sich durch seine Aminogruppe am C4-Atom von den anderen beiden Vorläufersubstanzen des Vitamin B6 unterscheidet. Diese in Nahrungsmitteln meist als Phosphat-Derivat vorkommende Substanz wird im Gastrointestinaltrakt zu Pyridoxamin hydrolysiert, dann im Jejunum resorbiert und schließlich von der Pyridoxalkinase zu Pyridoxamin-5-Phosphat transformiert. Pyridoxamin besitzt die Fähigkeit freie Radikale einzufangen und wirkt somit als “Entgifter”. Neben der Maillard-Reaktion (nicht-enzymatischen Bräunungsreaktion) verhindert dieses Pro-Vitamin auch die Genese von Gylierungs-Endprodukten, die bei Diabetes eine Rolle spielen. Ferner hemmt Pyridoxamin auch die Genese von Lipidoxidation-Endprodukten und scheint zur Verbesserung der Nierengewebestruktur beizutragen, so dass es auch zur Behandlung von Nephropathien und Retinopathien eingesetzt wird.

Wann spricht man von einer aktiven Form des Vitamin B6 (P-5-P)? Lässt sich das Coenzym in dieser Form auch direkt zuführen?

Erst nach der Transformation der oben beschriebenen Pro-Vitamine spricht man von einer aktiven Coenzym-Form des Vitamin B6: dem Pyridoxalphosphat bzw. Pyridoxal-5-Phosphat (kurz: P-5-P). Erst in dieser transformierten Form kann es zu den beschriebenen Stoffwechselfunktionen sowie zur Synthese von Proteinen und Botenstoffen aktiv beitragen. Ist diese im Körper stattfindende Transformation jedoch gestört oder durch Stoffwechselerkrankungen gehemmt, so kann die aktive Form des Vitamin B6 nicht hergestellt werden. In solchen Fällen bietet sich die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln an, die Vitamin B6 in seiner aktiven Form P-5-P bereitstellen. In dieser Form muss das Coenzym nicht mehr in der Leber transformiert werden und kann vom Organismus unmittelbar aufgenommen werden bzw. direkt in den Stoffwechsel übergehen.